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对外交流动态

【中德留学45年】我的留学故事(四):李克(Patrick Kuehnel)

作者: 时间:2018-04-13

【中德留学45年】我的留学故事(四):李克(Patrick Kuehnel)

2017年5月24日,中德高级别人文交流对话机制首次会议在北京召开。由国家留学基金管理委员会和德意志学术交流中心(DAAD)共同举办的“学习互鉴、文化交融——中德留学45年”是此次会议的重要配套活动。活动邀请了中德各5名留学人员代表作为发言嘉宾,他们都是中德两国建交以来不同时代中国赴德或德国来华留学人员的代表。他们与大家一起分享了他们的留学故事,从不同的视角展现“留学”在促进中德人文交流中不可

李克(Patrick Kuehnel),1997年至1999年在山东鲁东大学学习现代汉语言文学,北京外国语大学客座教授,现为同济大学中德学院副院长。

图为李克(Patrick Kuehnel)

Sehr geehrte Damen und Herrn,

guten Morgen!

Zunächst möchte ich mich bei den Organisatoren der heutigen Veranstaltung für die Gelegenheit bedanken, einige der Erlebnisse und Erfahrungen aus meinem ersten  Chinaaufenthalt vor 20 Jahren Revue passieren zu lassen. Ich werde den 30.1.1997 niemals vergessen, einen kalten Wintertag, als ich in der kleinen Küstenstadt Weihai der Provinz Shandong von Bord des Schiffes ging, das ich am Vorabend im koreanischen Hafen Incheon ohne klare Vorstellung von dem, was mich erwarten sollte, bestiegen hatte. Wer hätte damals gedacht, dass diese spontane Entscheidung für einen kurzen Studienaufenthalt in China mein weiteres Leben in ganz neue Bahnen lenken sollte?

Kurz zuvor, im Sommersemester 1996, hatte ich im Rahmen eines Austauschprogrammes der Universität Passau mit der Keimyong Universität in Daegu ein halbes Jahr in Südkorea verbracht und überlegte  gerade, wie ich den restlichen Monat bis zu meinem Rückflug nach Deutschland am sinnvollsten nutzen sollte. Da gab mir ein koreanischer Studienkollege, der gerade Chinesisch lernte, den entscheidenden Tipp und ließ in mir den Wunsch nach einer Stippvisite in China keimen. Mit Hilfe koreanischer Freunde gelang es mir problemlos, mit der Pädagogischen Hochschule in Yantai Kontakt aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt war ich der Ansicht, dass Chinesisch die schrecklichste Sprache überhaupt sei und es ein aussichtsloses Unterfangen sei, sich der Mühsal des Chinesischlernens auszusetzen. Andererseits dachte ich mir, dass es mir als zukünftigem Linguisten sicher nicht schaden würde, zumindest mal in die Sprache hineingeschnuppert  zu haben, zumal damals in Deutschland kaum jemand Chinesisch lernte und man damit rechnen konnte, dass ein paar Brocken dieser Sprache sich bei dereinen oder anderen Gelegenheit sicher noch als nützlich erweisen würden.

Als ich dann wenige Tage später im Einzelunterricht meinen Lehrern gegenüber saß war ich dann doch erstaunt, wenn nicht sogar schockiert, wie anspruchsvoll und gewissenhaft sie den vermeintlich einmonatigen Unterricht für einen zufällig hereingeschneiten Nullanfänger konzipierten. Jedes Mal, wenn ich gerade begann, mich über einen bescheidenen Fortschritt zu freuen, kam die kalte Dusche: Wie ich befürchtet hatte, erwies sich das Chinesischstudium als eine Tortur ohne Ende, die mich an den Rand der Verzweiflung trieb. Ich fühlte mich wie ein Schiffbrüchiger auf dem Meer der Schriftzeichen –  ganz abgesehen davon, dass ich die vier Töne aus dem Klassenzimmer beim besten Willen nicht mit dem vereinbaren konnte, was ich tagtäglich auf dem Marktplatz und auf den Straßen hörte.  Letztendlich befeuerte die ganze Quälerei jedoch meinen Ehrgeiz und als ich kurz darauf über japanische Kommilitonen von der Existenz des HSK-Tests erfuhr, sah sich mein Stolz endgültig herausgefordert. Ich hatte nun ein Ziel und verlängerte mein Visum. Doch während die Japaner Stufe 8 im Visier hatten, blieb ich bescheiden: nur irgendwie den Mittelstufentest bestehen und damit die Zulassung zum Fachstudium –  mehr wollte ich gar nicht.

Ein knappes Jahr später war es dann soweit: Dank einer gehörigen Portion Rateglück nahm ich die Hürde HSK 6 und schrieb mich in Sinologie ein. Doch schon kurze Zeit später wurde ich wieder hellhörig, als einer meiner Lehrer von einem Oberstufentest sprach, vor dem bisher noch jeder Student zurückgeschreckt war. Da ich mir inzwischenein Zubrot als Sänger in einer Bar verdiente, hatte ich mir eine gewisse Portion Frechheit angeeignet, mit der ich meine Stellung als einzige „Langnase“ und somit auch Werbeträger der Abteilung dazu nutzte, beim Dekan durchzusetzen, dass eine Spezialklasse zur Vorbereitung auf die Oberstufenprüfung eingerichtet wurde. In dieser sollte ich dann zusammen mit zwei japanischen Mitstudenten innerhalb eines guten halben Jahres auf Oberstufenniveau getrimmt werden.

Am Abend vor der Prüfung in Tianjian war ich so nervös, dass ich kein Auge zutat, den Prüfungsraum betrat ich in einem leichten Dämmerzustand. Ich weiß noch, dass mein Aufsatz das Thema „Mein erster Kuss“ trug und ich in der mündlichen Prüfung das deutsche Gesundheitssystem vorstellen musste. Irgendwie kämpfte ich mich durch und reiste kurz nach Prüfung nach Deutschland zurück, wo ich das letztlich erfreuliche Ergebnis erwartete.

Unvermeidlicherweise hat das Chinesischstudium meine linguistische Phantasie angeregt, meine Ansichten zu vielen sprachwissenschaftlichen Theorien und Lehrmeinungen durcheinandergewirbelt und damit meinen weiteren beruflichen Werdegang beeinflusst. Noch wichtiger an den Erfahrungen in China ist mir jedoch, wie diese mich persönlich bereichert und mir neue Perspektiven auf die unterschiedlichsten Bereiche des Lebens eröffnet haben.

Um ein kleines Beispiel zu nennen: Als mein Chinesisch gerade ausreichte, um im Alltag einigermaßen zurechtzukommen, gab die Leitung des Institutes bekannt, dass man einer Anfrage seitens der Studierenden nachkommen und einen Taiqi-Kurs anbieten wolle. Natürlichhatte ich von diesem geheimnisvollen Schattenboxen schon gehört, bislang jedoch noch keine persönliche Bekanntschaft damit gemacht, so siegte meine Neugier und ich meldete mich an. Verwundert beobachtete ich, dass uns der Lehrer jeweils vor dem eigentlichen Training in einer Reihe aufstellte und eine gefühlte Ewigkeit lang seltsame fächelnde Handbewegungen ausführen ließ. Ab und zu baute er sich vor dem einen oder anderen von uns auf und hielt seine Hand andächtig zwischen die sich langsam undrhythmisch öffnenden und wieder schließenden Handflächen bevor er zum nächsten weiterging. Nach einigen Wochen fragte ich ihn, was diese Bewegungen denn für einen Zweck hätten. „Qi Gong-Übung“ antwortete er knapp. Anschließend erklärte er mit, dass er mit seiner Hand unsere Qi-Stärke überprüfe. Natürlich wollte ich wissen, wie es um mein Qi bestellt sei. Postwendend kam die ernüchternde Antwort: „Das ist noch ein langer Weg!“.

Fasziniert bemerkte ich jedoch nach einigen Monaten des Trainings, wie sich während der Übungen in meinen Händen und Unterarmen ein Kribbeln auszubreiten begann, dass mich unwillkürlich an ein statisches elektrisches Feld denken ließ, gleichzeitig schien es, als würde ein weißer Schatte nmeinen Armen folgen. Darauf angesprochen ermutigte mich mein Lehrer: „Gut, dein Qi macht Fortschritte!“. Neugierig bohrte ich weiter:„Wofür ist dieses ‚Qi‘ denn nun eigentlich gut?“ Er antwortete nüchtern:„Es stärkt den Körper, du kannst es auf andere übertragen und Krankheiten heilen.“ Obwohl mich mein Lehrer davor warnte, mein Qi leichtfertig auf andere abfließen zu lassen, übermannte mich wieder die Neugier und ich begann heimlich, chinesische und ausländische Bekannte mit Qi zu behandeln. Das Ergebnis verblüffte mich ein ums andere Mal, während einige meiner chinesischen Freunde das Ganze so selbstverständlich zur Kenntnis nahmen wie die Wirkung einer Aspirintablette – sowas nennt man wohl kulturelle Unterschiede…

Ähnliches habe ich seinerzeit oft in China erlebt. Ich besuchte abgelegene Orte in Xinjiang, der Inneren Mongolei oder in Gansu, lernte sehr viele herzliche, offene, großzügige und kluge Menschen kennen, habe einen Sandsturm in der Wüste Gobi mitgemacht, den glitzernden Sternenhimmel in der Taklamakan  bewundert und hätte mich schließlich fast im endlosen Grün der mongolischen Steppe verirrt…

Das ist nun schon viele Jahre her – bei der Erinnerung an diese Zeit überkommt mich manchmal der Wunsch, meinen Rucksack zu schnappen und von neuem ins Abenteurerleben einzutauchen.

Auf der anderen Seite mahnt uns Konfuzius, dass man im Alter von fast 50 sich selbst und seine Berufung etwas besser kennen sollte. Ich denke, dass es zu der meinen gehört, nicht nur für mich selbst mehr Wissen und Erkenntnisse zu sammeln, sondern dass ich es der Gastfreundlichkeit, mit der China mich aufgenommen hat, schuldig bin, den beruflichen und persönlichen Ertrag aus meinen Erfahrungen in und mit China mit Deutschenund Chinesen zu teilen und mich weiter für die Verständigung zwischen unseren beiden Ländern einzusetzen.

Vielen Dank!

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