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【中德留学45年】我的留学故事(六):阿克曼(Michael Kahn-Ackermann)

发布者: [发表时间]:2018-04-13 [来源]:

【中德留学45年】我的留学故事(六):阿克曼(Michael Kahn-Ackermann)

2017年5月24日,中德高级别人文交流对话机制首次会议在北京召开。由国家留学基金管理委员会和德意志学术交流中心(DAAD)共同举办的“学习互鉴、文化交融——中德留学45年”是此次会议的重要配套活动。活动邀请了中德各5名留学人员代表作为发言嘉宾,他们都是中德两国建交以来不同时代中国赴德或德国来华留学人员的代表。他们与大家一起分享了他们的留学故事,从不同的视角展现“留学”在促进中德人文交流中不可替代的重要作用。

阿克曼(Michael Kahn-Ackermann),第二批西德来华留学生,1975年9月至1976年7月在北京语言学院中文系学习,1976年9月至1977年7月在北京大学学习中国现当代历史。曾任歌德学院(北京分院)首任院长,后任歌德学院(中国)总院长,现任孔子学院总部特聘高级顾问。

图为阿克曼(Michael Kahn-Ackermann)

Ich bin im September 1975 als Mitglied der zweiten Gruppe west-deutscher Austauschstudenten (damals hießen wir „ausländische Arbeiter-, Bauern- und Soldaten-Studenten“) nach China gekommen. Nach Ankunft lernte ich ein Jahr Chinesisch am Pekinger Fremdsprachen-Institut, anschließend von September 1976 bis Juli 1977 Neuere Chinesische Geschichte an der Peking-Universität. Ich hatte zuvor in Deutschland mein Magister-Studium der Sinologie abgeschlossen.

Ich will mit vier Erfahrungen und einer Schussfolgerung mein persönliches Verständnis von akademischem und interkulturellem Austausch skizzieren:

Erste Erfahrung: Das wirkliche China hatte mit dem China meiner Bücher und dem China meiner Vorstellung so gut wie nichts gemeinsam.

Die damalige deutsche Sinologie konzentrierte sich ausschließlich auf das „Klassische China“, das China nach 1949 kam darin nicht vor. Auf der anderen Seite gehöre ich zur Generation der Studentenbewegung von1968, wir waren überzeugte Marxisten und wünschten uns Revolution, die „Große Proletarische Kulturrevolution“ war ein Vorbild. Das China in meiner Vorstellung war eine merkwürdige Mischung aus dem „Traum der Roten Kammer“ und revolutionärer Utopie.

Das China, dem ich mich nach Ankunft hier gegenüber sah, war das China der Spätphase der Kulturrevolution. Das „Klassische China“ war ausgemerzt und das utopische China ließ sich nirgends blicken. Politisch und sozial war es eine extreme Epoche, der Tod Maos, der Tangshan Erdbeben, der Sturz der „Viererbande“, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch erschienen mir die Atmosphäre und der Alltag dumpf und grau.

Um nur von unserem akademischen Leben zu sprechen: Unser Chinesische-Lehrmaterial bestand wesentlich aus Leitartikeln der Volkszeitung, im Geschichts-Unterricht ging es um „Klassenkampf“, Bauernaufstände, „Kritik an Lin Biao und Konfuzius“ und den Kampf zwischen „Legalisten“ und „Konfuzianern“.

Direkten Kontakt hatten wir lediglich zu den Funktionären des Ausländer-Büros, den Lehrern, den Klassen-Kommilitonen und vor allem dem Zimmergenossen im Wohnheim. Ich danke ihnen für ihre Mühe und Fürsorge, sie hatten es nicht leicht mit uns. Niemand außerhalb dieses Kreises wagte es, mit uns in Kontakt zu treten.

Der einzige tatsächliche Kontakt zur chinesischen Wirklichkeit war die „Schule bei offener Tür“. Ich möchte hier vor allem der Bauernfamilie danken, bei der ich in diesen zwei Wochen untergebracht war. Sie hat mir nicht nur beigebracht, mit der Tragestange Mist-Kübel zu balancieren, sie hat mein Verständnis der chinesischen Gesellschaft mehr befördert als alle Leitartikel der Volkszeitung zusammen.

Dieser Zusammenstoß von Vorstellung und Wirklichkeit endete damals mit Enttäuschung und einer persönlichen Krise.

Zweite Erfahrung: Schuld an dieser Krise war nicht allein die fremde Kultur, das Problem war vor allem ich selbst.

Ich begann zu begreifen, dass meine mitgeschleppten Erwartungen, Phantasien und Vorurteile meinen Blick auf die fremde Kultur verzerrten, und den Prozess der Verstehens erschwerten. Um zum Verständnis zugelangen, musste ich Vorurteile und Wunschträume aufgeben, musste lernen, der fremden Kultur mit einer Haltung des „Leerseins“ zu begegnen. China ist weder Utopie noch Hölle und zugleich um Vieles interessanter als es Utopien und Höllen sind.

Dritte Erfahrung: Üblicherweise betrachtet man Zuwachs an Spezialwissen und akademischen Fertigkeiten als Ziel des akademischen Austauschs. Unter diesem Gesichtspunkt war mein Studienaufenthalt nicht sehr ertragreich. Aber ich glaube, wichtiger noch als Zuwachs akademischen Wissens ist die direkte und vorurteilsfreie Konfrontation mit der fremden Kultur, und daraus resultierend, die Möglichkeit, sich selbst zu prüfen und in Frage zustellen. Das ist ein schwieriger Prozess.

Vierte Erfahrung: Über vierzig Jahre sind vergangen, China hat sich grundlegend verändert. Ich lebe heute mit meiner chinesischen Frau in Nanjing, meine chinesischen Freunde haben keine Angst mehr davor, mich zu sich nach Hause einzuladen. Ich arbeite als Berater für das Konfuzius-Institut, eine chinesische Institution des internationalen kulturellen Austauschs und für die deutsche Stiftung Mercator, die den Austausch zwischen Jugendlichen unserer Länder fördert. Meine jüngste Tochter ist vor kurzem nach Peking zurückgekehrt, nicht um dem Vater näher zu sein und nicht, um mehr Geld zu verdienen, sondern weil sie Peking interessanter findet als Berlin.

Über vierzig Jahre sind vergangen, Noch immer bezeichnen mich gewisse China-Experten in Deutschland als „Chinesischen Schwiegersohn“, das klingt freundlich, gemeint ist aber, dass ich zu den von der KPCH gehirngewaschenen oder bezahlten „China-Verstehern“ gehöre. In China werde ich bis an mein Lebensende ein „Lao wai“ bleiben, selbst zweijährige Kinder rufen bei meinem Anblick „Mama, guck mal, ein Ausländer“. Ich bin Besitzer einer chinesischen Greencard, das war nicht einfach und danke der chinesischen Regierung dafür. Aber im Alltag hat sie kaum Wirkung, beim Kauf von Zugtickets muss ich nach wie vor am Schalter anstehen.

Schlussfolgerung: Der Austausch zwischen zwei Kulturen ist ein mühseliger und zeitraubender Prozess, er erfordert äußerste Geduld und Zähigkeit. Er wird nur dann erfolgreich sein, wenn die Teilnehmer beider Seiten sich unbehindert direkten und vielfältigen Zugang zur anderen Kultur verschaffen können und wollen. Dafür muss die Politik die Voraussetzungen schaffen.

Über 40 Jahre sind vergangen. Die Welt hat sich grundlegend geändert, aber wir stehen erst am Anfang, uns wirklich gegenseitig zu verstehen.