Zeitschrift für Kulturforschung
1 (2009)
Herausgegeben von
Bingjun WANG
Yalin FENG
Inhalt und Abstract (in Deutsch):
Im Fokus:
Das subjektive Bewusstsein der chinesischen Germanisten im Prozeß des kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsels Jieping FAN
Abstrakt: Die Rezeption westlicher Literaturtheorie in China hat seit einem Jahrhundert eine Grundhaltung der Herr-und-Knecht-Relation aufgewiesen. Die kulturwissenschaftliche Wende in der Literaturtheorie gibt den chinesischen Germanisten jedoch eine Möglichkeit, einen Paradigmenwechsel zum herrschaftsfreien Dialog mit dem Westen im Erwachen ihres subjektiven Bewusstseins zu suchen. Im Laufe der Invasion der Kulturwissenschaft in die Literaturwissenschaft soll nicht der werkbezogene Kontext im Verstehensprozess einen Stellenwert haben, auch der fremdgesellschaftliche und kulturelle Kontext müsste eine Rolle spielen.
Schlüsselwörter: Paradigmenwechsel, Kulturwissenschaften, Literaturtheorie, subjektives Bewusstsein
Schwerpunkt:Wahrnehmung
Wahrnehmungsparadigmen bei „Im Anfang war das Wort“ und „Schrift als Bild des Herzens“ Yuqing WEI
Abstract: Davon ausgehend, dass der Laut das primäre Medium oder „Menschen-Medium“ darstellt, während die Schrift dem „sekundären Medium“ zuzuordnen ist, versucht der vorliegende Aufsatz inbezug auf Oralität und Schriftlichkeit dem Verhältnis von Wahrnehmung und Medien nachzugehen und bei der Betrachtung des Verhältnisses von visuellem und auditivem Paradigma in der Geschichte der Wahrnehmung die entsprechende Entwicklung in China zu berücksichtigen. Der Verfasser vertritt die Auffassung, dass man weder die Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu einer dualistischen Schwarz-weiss-Beziehung vereinfachen sollte, noch auf der reinen synchronen Ebene den europäischen Phonozentrismus und den chinesischen „Schriftzentrismus“ vergleichen darf, sondern vielmehr sollte man jenseits des idealisierten Gegensatzes von „Im Anfang war das Wort“ und „Schrift als Bild des Herzens“ dem Zusammenspiel und Interaktion von Mündlichkeit und Schriftlichkeit Aufmerksamkeit schenken.
Schlüsselwörter: Wahrnehmung, Medien, Laut, Schrift, Phonozentrismus, Schriftzentrismus
Wahnehmungsparadigmenwechsel des Protagonisten in Der Geisterseher von Friedrich Schiller Ke HE
Abstrakt: Der Beitrag geht von den kulturwissenschaftlichen Ansätzen aus, um auf folgende Fragen im fragmentarischen Roman von Schiller Der Geisterseher einzugehen: den Wahnehmungsparadigmenwechsel des Prinzen, die hierarchische Ordnung unter den Wahrnehmungsorganen, das Machtgefüge der unsichtbaren Augen, das Verhältnis zwischen Vernunft und Irrationalität in dem Modernisierungsprozess.
Schlüsselwörter: Dominanz des Gesichtssinns, Wahrnehmungshierarchie, Macht, Vernunft und Irrationalität
Wahrnehmung im Hintergrund der Technik und Medien. – Konstruktion der Wahrnehmung durch technische Medien am Beispiel von E.T.A. Hoffmann’s Automaten Min CHEN
Abstract: Wahrnehmung zählt zu den unentbehrlichsten und entscheidendesten Tätigkeiten des Menschen als intelligenter Spezies für seine Existenz in der Umwelt und sein Erkennen der Umwelt. Unter den verschiedenen Faktoren, die Wahrnehmung beieinflußen, wird die Technisierung der menschlichen Sinnesorgane oder sogar des Menschen als Ganzheit als Hintergrund aufgestellt, in der der Einfluß der Technik und Medien auf Wahrnehmung und deren verschiedene Modi während deren Erkennen der Welt und Sich selbst in literarischen Werken analysiert. Die Aufklärung fördert die Entwicklung der Naturwissenschaft und Technik, wobei Technik einerseits die menschliche Wahrnehmung erweitertet, andererseits aber auch die verschiedenen Wahrnehmungsmodi beeinflusst. Im Laufe der mechanischen Forschung und Entwicklung entsteht in 18. Jahrhundert eine Tendenz der Automaten. Dieser Artikel konzentriert sich gerade auf die Forschung der Konstruktivität der Wahrnehmung durch Automaten als technische Faktoren während des Erkennensprozesses in E.T.A. Hoffmanns´ Werk.
Stichworte: Wahrnehmung; Denken; Phantasie; Konstruktivität der Wahrnehmung
Überschreitung des Augentabus – Studie „Augenwahrnehmung“ in Sandmann von E. T. A. Hoffmann Jingjing LU
Abstract: Seit langem herrscht in der menschlichen Geschichte eine Hierarchie der Sinne, in der das Auge an der Spitze der Pyramide steht. Allerdings ist dieser augenzentrische Erfahrungsmodus nicht problemlos. Fokussiert wird in der vorliegenden Arbeit eine Untersuchung des Wandels der Augenwahrnehmung in der Zeit von der Aufklärung bis zur Romantik. Es wird anhand der Novelle „Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann gezeigt, wie der Mythos des augenzentrischen Wahrnehmungsmusters aufgelöst wird. Diese augenzentrische Wahrnehmung ist nie nur physisch, sondern auch imaginativ.
Schlüsselwörter: Wahrnehmung, Imagination, Auge, Instrument
Ästhetisierung der Wahrnehmung – Untersuchung zu Hofmannsthals Der Tor und der Tod Yongqiang LIU
Abstract: In der Arbeit wird versucht, die Entwickelungslinie der Bilder in der Kulturgeschichte zu verfolgen und am Beispiel von Hofmannsthals Der Tor und der Tod darzustellen, dass visuelle Wahrnehmung und Bild in der deutschsprachigen frühmodernen Literatur wichtige Themen sind. Aufgezeigt wird auch das Problem des Ästhetizismus. Die Ästhetizisten konzipieren die Idee von „Kunst für die Kunst“ und streben nach einer reinen Kunst. Ihre Wahrnehmung wird ästhetisiert, indem die Welt bloß als Gegenstand des Betrachtens auftritt. Die Ästhetizisten geraten infolgedessen in ein Dilemma der Isoliertheit vom Leben.
Schlüsselwörter: Bild, Wahrnehmung, Ästhetizismus, Kunst, Leben
Flüchtige Blicke in der Großstadt. Zur visuellen Wahrnehmung der Moderne in Kafkas Erzählungen Mingming LI
Abstract: Die Beschleunigung, ein Kennzeichen der Moderne, ist stets begleitet durch eine Flüchtigkeit der Wahrnehmung. Mit der Vereinsamung des Individuums, die Benjamin im Roman konstatierte, erfährt auch das Sehen eine Veränderung, die sich beispielhaft in Kafkas „Betrachtung“ zeigen läßt.
In der kulturwissenschaftlich orientierten Analyse einiger Erzählungen von Kafka wird zu zeigen versucht, dass das Auge nicht mehr als Wahrnehmungsorgan zur Wahrheitsfindung oder zur Erkenntnis der Welt fungiert, sondern als ein Kanal, der lediglich als eine Oberfläche zum passiven Empfangen von äußeren Reizen dient, ähnlich wie der heutige Fernsehzuschauer, für den es egal ist, was für Inhalt es ist, Hauptsache, dass die Bilder vor Augen vorbeiziehen. Der Sehende ist nicht mehr der Herr des Betrachtens, der etwas sieht, sondern vielmehr eine Fläche, die die Dinge ihn sehen läßt. Der Sehende verfügt nicht über die Wahrnehmung, sondern eher durch die Wahrnehmung über sich selbst, wie Erwin Strauss formuliert hat.
Das bloße Sehen hinterm Fenster, in dem das vereinsamte Individuum seine Existenzbestätigung findet, stellt nur noch scheinbar eine Beziehung zwischen Innen und Außen her, aber sie führt keine face-to-face-Kommunikation herbei, sondern gaukelt dem Sehenden das Gefühl vor, er sei nicht isoliert von der Außenwelt.
Die Asymmetrie von dem standortfesten Sehen innen des Raumes und dem Fließen des Gesehenen draußen führt dazu, dass der Betrachtungsgegenstand nicht mehr fixiert werden kann, sodass das bloße Sehen, oder äußere Eindrücke, wichtiger werden als das, was gesehen wird. Diese Diskrepanz prägt ein Wahrnehmungsmuster, das sich wiederum auf die körperanwesende Kommunikation zurück überträgt: selbst dort, wo sich eine körperanwesende Situation sich bietet, verhält sich der Betrachtende in seiner Wahrnehmung wie hinterm Fenster.
Schlüsselwörter: Blick, visuelle Wahrnehmung, Stadt, Moderne, Einsamkeit, Kafka
Der (re)konstituierende Blick. Das Zusammenspiel von visueller Wahrnehmung und individueller Identität in W. Koeppens Roman Der Tod in Rom Xiaochen HUANG
Abstract:In der Arbeit wird mit dem Textbeispiel aus Wolfgang Koeppens Roman „Der Tod in Rom“ untersucht, wie die visuelle Wahrnehmung, hinsichtlich als Anlass des Erinnerns, in der (Re)konstruktion der Identität funktioniert. Im Text wird gezeigt, dass die visuelle Wahrnehmung eine Doppelcodierung ist, sie ist rezeptiv, aber zugleich auch Sinn produzierend, sie befindet sich immer in einer dynamischen Entwicklungsphase, wo die soziale Kontrolle, das Machtverhältnis, die Überlieferung des kulturellen Sinns usw. zusammen das Interaktions-, Handlungs- und Wahrnehmungsgefüge bilden, was wiederum bei dem Bilden und Aufrechterhalten der individuellen sowie kollektiven Identität als konstituierende Momente gilt.
Schlüsselwörter: Kulturelles Gedächtnis, visuelle Wahrnehmung, Identität
Wahrnehmung und ekphastisches Erzählverfahren in Der Schatten des Körpers des Kutschers von Peter Weiss Yalin FENG
Abstract: “Der Schatten des Körpers des Kutschers” von dem deutschen Schriftsteller Peter Weiss ist ein Roman über die Wahrnehmung, insbesondere über die visuelle Wahrnehmung: Der Ich-Erzähler hat all die Szenen und Prozesse, die in seinen Blick kommen, detailliert und restlos aufgezeichnet. Aber infolge des Verlustes der Erfassung des Ganzen erweist sich die wahrgenommene Welt als sinn- und zusammenhanglose Fragmente. Die Verfasserin ist der Ansicht, dass das im Roman angewandte ekphastische Erzählverfahren anschaulich die Wahrnehmungskrise aufführt, in die die Moderne aufgrund des Verlusts des Ganzen gerät.
Schlüsselwörter: Wahrnehmung, Fragment, ekphastisches Erzählverfahren, Sinnverlust, Krise
Heimkehr und Raumwahrnehmung. – Über die Raumwahrnehmung in Peter Handkes Erzählung Langsame Heimkehr Yun ZHANG
Abstract:Ohne Zweifel ist der Raum mit der menschlichen Existenz sehr eng verbunden. Man befindet sich im Raum, nimmt in verschiedenen Weisen den Raum wahr und stellt damit seinen Standort, seine Existenz und seine Orientierung fest. Wichtig ist, dass das Beobachten und Wahrnehmen des Raums dem Menschen hilft, sein Verhältnis zur Welt und sich selbst bewusst zu machen und zu bestimmen. Dieser Artikel macht in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Raumgestaltung und Raumwahrnehmung die 1979 vom österreichischen Schriftsteller Peter Handke herausgebrachte Erzählung Langsame Heimkehr zu Untersuchungsgegenstand. Darin wird über die Bedeutung der Raumwahrnehmung für den Protagonisten und die des Raumkonzepts für den Autor selbst diskutiert und reflektiert.
Schlüsselwörter: Neue Subjektivität, Wahrnehmung, Raum, Insichgekehrtsein
Erkundungen:
Über die Entstehung der Modernität in der deutschen Literatur Runfang LIU
Abstract:Diese Untersuchung nimmt sich die Modernität und deren Entwicklung in der deutschen Literatur vor. Mit zwei Ansätzen wird sie durchgeführt: erstens ist der Rückgriff auf den Ursprung der Modernität; zweitens ist die Beschäftigung mit den Werken, die durch Modernität geprägt sind. Der Aufsatz konzenteriert sich auf den Zeitraum des 18. Jahrhunderts, wo die deutsche Literatur in den aufeinander und nacheinander verlaufenden Strömungen von der Aufklärung durch Sturm und Drang, Klassik bis zur Romantik einen Entwicklungsprozeß vollzog, und die Modernität wie deren Ästhetik in der deutschen Literatur entstanden.
Schlüsselwörter: Modernität, Aufklärung, Vernunft, instrumentelle Vernunft, ästhetische Moderne
Die literarische Moderne im Blickfeld der chinesischen Literaturforschung. Am Beispiel von Kafka Weidong REN
Abstract:In den letzten zwangzig Jahren des 20. Jahrhunderts, d. h., seitdem die westliche literarische Moderne mit der Reform und Öffnungspolitik in Chinas bekannt gemacht worden ist, erlebte die Rezeption der westlichen literarischen Moderne in China wiederholt Auf und Ab und wurde stets begleitet von ideologischen Auseinanderstzungen. In der vorliegenden Arbeit wird am Beispiel von Kafka, einem der wichtigsten Repräsentanten der literarischen Moderne, versucht, den gegebenen sozio-kulturellen Kontext zu verfolgen, aufgrund der Analyse der Rezeptionszeugnisse die Rezeptionstendenz der literarischen Moderne in China darzustellen.
Schlüsselwörter: Moderne, China, Rezeption, Kafka
Untersuchungen:
Dionysos und Sodom: Bespiele der mythischen Anspielungen und der Bibel-Adaption in den Theaterstücken von Botho Strauß Jianwen XIE
Abstract:Aus den Werken, vor allem aus den Theaterstücken von Botho Strauß lassen sich das Spiel mit griechischer Mythologie, das Bibelzitat und die biblische Anspielung herauslesen. Als Beispiel können u. a. das Bild des Zerreißens, der Dionysoskult und die Erlösung des Menschen angeführt werden. Aus der Analyse der geschädigten Beziehung zwischen Männern und Frauen und der Neubearbeitung der Erlösungshoffnung der Menschheit ist zu schlussfolgern, dass Botho Strauß als Zivilisationskritiker auch das mythische Defizit in der modernen Kultur wahrnimmt und sich “gegen die Totalherrschaft der Gegenwart“ stellen will. Mit der Anfangserwartung soll die psychische und geistige Freiheit erzielt werden.
Schlüsselwörter: Botho Strauß, mythische Anspielung, Bibel-Adaption, Dionysos, Sodom
Ausübung der Vaterfunktion und Verteidigung der Männlichkeit – Zu der Erzählung Findling von Heinrich von Kleist Mengya ZHENG
Abstrakt: Diese Arbeit kreist um die Problematik der Vaterfunktion und der männlichen Geschlechtsidentität in Kleists Erzählung Findling. Der Vater hat die Funktion auszuüben, den Sohn beim Eintritt in die symbolische Ordung zu führen. Dennoch kann er inzwischen seine Männlichkeit nicht unter Beweis stellen. Indem der Sohn Aura des von der Adoptivmutter geliebten männlichen Körpers nachamt, rekonstrukiert er sich selbst als seinen eigenen Kulturvater. Somit verfügt er über den weiblichen Körper als Begehrensobjekt und stellt zugleich die bestehende Ordnung der Adelgesellschaft in Frage.
Schlüsselwörter: Kleist, Vaterschaft, Männlichkeit, Aura, männliche Macht
Studien:
Interkulturalität beim Deutschlehren und –lernen in China Zhiyong ZHAO
Abstrakt: In dieser Arbeit wird betont, dass es bedeutend ist, die interkulturelle Kompetenz der Deutschlernenden beim Deutschlehren und –lernen in China zu entwickeln. Auch werden die beiden Begriffe „Interkulturalität“ und „Interkulturelle Kompetenz“ analysiert. Nebenbei ist noch darauf hinzuweisen, dass die Verhältnisse zwischen der chinesischen Kultur und der deutschen Kultur sowie der interkulturellen Kompetenz und der Sprachkompetenz vernünftig beachtet werden sollen; „Empathie“, „Attribution“ und „Stereotyp“ sind wichtige Faktoren bei der interkulturellen Kommunikation. Auf dieser Basis werden einige Tipps fürs Deutschlehren und –lernen in China gegeben.
Schlüsselwörter: Deutschlehren und –lernen, Interkulturalität, Interkulturelle Kompetenz
Metaphorische Kommunikation Yijun ZHOU
Abstrakt: Die menschliche Kommunikation ist metaphorisch. Mit Metapher wird unsere Kommunikation erleichtert. Auf der Ebene des Zeichens hat die Metapher folgende Funktionen: Erleichterung bei der Meinungsauffassung, Wort- und Konzeptfüllung sowie Ökonomiefunktion. Normalerweise ist der angewendete Ursprungsbereich konkreter, bildlicher und lebhafter als Zielbereich, wodurch die affektiven und bildlichen Konnotationen hervorgehoben werden. Wird etwas Neues erfunden oder entdeckt, nennt man es oft mit Hilfe der Metapher. Mit Metapher kann man seine Meinung bündiger und ökonomischer auffassen. Metapher kann außerdem noch dazu beitragen, die Kohärenz des Textes zu fördern. In vielen Texten bilden Metapher und ihre Implikationen eine Linie des Textes und gelten als Tiefenstruktur des Textes.
Schlüsselwörter: Metapher, Kommunikation, Zeichen, Text
Über Forminformationsverzerrung und ihre Abhilfsstrategie bei Übersetzung Kexin TAN
Abstrakt: Informationsverzerrung bei einer Übersetzung bedeutet Abweichung und Nichteinstimmung zwischen den Zielsprachinformationen und den Ursprachinformationen. Diese Abhandlung wird, den Theorien von Informatik, Systematik, Kybernetik und kognitiver Linguistik folgend, auf die durch objektive Ursachen entstandene formale Informationenverzerrung eingehen, deren Ursprünge analysieren und sich mit einer Abhilfsstrategie für die Informationsverzerrung bei der Übersetzung befassen.
Schlüsselwörter: Forminformationsverzerrung, Ursprünge, Abhilfsstrategie
Historisches:
Religiöse Grundlagen der Kulturen in der Spätzeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und ihre Auswirkungen auf die heutige Kultur in Deutschland Xiaochun CHEN
Abstrakt: Nach dem Westfälischen Frieden, der die konfessionellen Gegensätze im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation beendete, sind lutherische Kirche und reformatorische Kirche mit katholicher Kirche gleichgestellt. Ihre Theologen waren aber unterschiedlicher Auffassung über die Auslegung der Bibel. In ihren kontroversen Lehren geht es vorwiegend um die Fragen von Götzendienst, Kirchenbau, Innenausstattung der Kirchen, Abendmahl usw. Diese diversen Auslegungen der Bibel und die großen Unterschiede zwischen den Konfessionen in Theologie und Kirchenpraxis waren für die Kulturentwicklung relevant. Der Streit hat also eine Reihe Folgen hinterlassen, die die kirchliche Kultur nachhaltig beeinfussten und deren Grundlage zur Weiterentwicklung bildeten. In Süddeutschland kam die kunstschöpferische Kraft der katholischen Kirche voll zur Geltung. Ihre bewußte Bejahung bildlicher Darstellung in der Kirche, ihre Theologie mit Aufrechterhaltung der Heiligenverehrung und ihre Frömmigkeit ermöglichten jene Hoch- und Höchstleistungen des kirchlichen Barock und Rokoko. Hier sind unzählige neue Kirchen gebaut oder der Innenraum der alten Kirchengebäude baukünstlerisch umgestaltet. So entstand im Süden Deutschlands die so genannte Bilder- und Figurenkultur, während im Norden aber angesichts der wort- und schriftbetonten protestantischen Kultur, deren Bedeutung vor allem auf den Gebieten der Literatur, Philosophie und Wissenschaft lag, Lesekultur entstanden ist. Die deutsche Kultur ist bis heute noch von diesem eigenartigen Phänomen geprägt.
Schlüsselwörter: Götzendienst, Kirchenbau, Abendmahl, Messe, religiöse Orden und Klöster, Bilder-und Figurenkultur, Lesekultur
Personen:
„Ein Mittler zwischen China und Europa“ – Über den Kulturaustausch zwischen China und West aus Sicht von Hesses Beurteilungen von Richard Wilhelm Jian MA
Abstrakt: Es handelt sich in diesem Aufsatz anhand Hesses Beurteilungen von Richard Wilhelm um die Analysen der gleichen oder ähnlichen Voraussetzungen und Bedingungen beider bei der Rezeption der chinesischen Kultur, damit sich aus diesem Beispiel aufschlussreiche Anregungen für den künftigen Kulturaustausch zwischen China und West gewinnen lassen.
Schlüsselwörter: Hesse, Richard Wilhelm, Kulturaustausch zwischen China und West
Buchbesprechung:
Literaturinterpretation im Hinblick auf die Theologie: Über Frau Dr. Gu Yus Verborgene Theologie: Deutsche Literatur vor und nach der Aufklärung Shuangzhi LI
Abstract: Frau Dr. Gu Yus Studie, Verborgene Theologie: Deutsche Literatur vor und nach der Aufklärung liefert uns ein exemplarisches Beispiel der interkulturellen Behandlung der deutschen Literatur. Denn das Verstehen der Literatur soll, mit Hans-Georg Gadamers Wort, eine Horizontverschmelzung sein, aber das Verstehen der Literatur aus einem fremden Kulturkontext setzt Bearbeitung und Rekonstruktion der fremden Kulturtradition voraus, damit man einen zu verschmelzenden Horizont überhaupt haben kann. Was bei der deutschen Literatur vor und nach der Aufklärung als Kulturkontext eine entscheidende Rolle spielt, ist die christliche Kultur. Genau die Erklärung der ambivalenten Beziehungen zwischen der christlichen Kultur im weiteren Sinne und der Literatur mit Säkularisierung-Tendenz seit Aufklärung nimmt das Buch als Ausgangspunkt, es rekonstruiert damit einen Kulturtext für damalige Dichtung und das Verstehen derselben. Im zweiten Teil des Buches werden auch konkrete Texte aus der deutschen Literatur seit der Aufklärung interpretiert. Beides von vorbildhaften Bedeutungen für chinesische Germanisten.
Schlüsselwörter: Deutsche Literatur, Interkulturalität, Honrizontverschmelzung, christliche Kultur
Bibliographie zu Schwerpunktthema:
A. Literatur zu Kulturwissenschaften
B. Literatur zu Wahrnehmung


